Wer rastet, der rostet!
Während des Wachstums werden in der kindlichen Entwicklung die
Grundsteine für Muskelaufbau, Koordination und motorische
Fähigkeiten gelegt. Außerdem wird der Organismus
widerstandsfähiger gegen negative Einflüsse von außen.
Schon
Säuglinge strampeln, zappeln oder verziehen ihr Gesicht. Sie
geben über die nonverbale Kommunikation ihren Emotionen
Ausdruck.
Gerade im Wachstum brauchen Kinder vielfältige
körperliche Reize. Den Bewegungsdrang auszuleben unterstützt den
jungen Organismus dabei, funktionstüchtige und leistungsfähige
Organe auszubilden. Zusätzlich finden entscheidende
Veränderungen der Muskel-, Skelett- und Nervensysteme statt. Die
Festigkeit der Knochen und die Belastbarkeit der Bänder
entwickeln sich vor allem aufgrund der Bewegungsintensität. Auch
motorische Fähigkeiten wie Kraft, Geschicklichkeit,
Beweglichkeit und Ausdauer werden entwickelt, Gleichgewicht und
Reaktionsfähigkeit geschult.
Viel zu oft steht die passive
medienorientierte Freizeitgestaltung an erster Stelle:
Fernsehen und Computerspiele ersetzen aktives Spielen. Studien
zufolge leiden bereits rund 40 Prozent der Schulkinder unter
Haltungsschäden. Sie haben Probleme, auf einem Bein zu hüpfen,
rückwärts zu gehen oder bei gestreckten Beinen mit den Händen
den Boden zu berühren. Schwächen im Bewegungsapparat
beeinflussen den jungen Menschen auf vielfältige Art:
Übergewicht, Unfälle aus Ungeschicklichkeit, aber auch
Rückenbeschwerden oder Herz-, Kreislauf- und
Stoffwechselerkrankungen werden häufig auf mangelnde Bewegung
zurückgeführt. Dem gilt es vorzubeugen. Kinder haben eine
natürliche Freude an der Bewegung, wenn man sie lässt. Also raus
in den Garten, auf den Spielplatz, in den Wald oder zum
Sportverein.
Bewegung macht schlau
Nur wenn
ein Kind von klein auf den natürlichen Bewegungsdrang ausleben
kann, entwickelt es sich auch geistig, emotional und sozial
optimal.
Und das ist nicht alles:
Sport steigert auch
die Lernfähigkeit.
Das Hüpfen, Klettern, Rutschen, Kriechen,
Schaukeln und Rennen der Kinder ist auch ein wichtiger Teil der
Entwicklung von Wissen und Urteilsfähigkeit. Es besteht ein
wissenschaftlich belegter Zusammenhang zwischen Bewegung und der
geistigen, psychisch-emotionalen und sozialen Entwicklung. Erst
durch aktives Handeln bauen Kinder ihre Persönlichkeit auf. Die
Vorstellung von Raum und Zeit und die Sinne werden in einer
anregenden, lebendigen Umwelt angesprochen und erzeugen wichtige
Verknüpfungen im Gehirn. Kinder lernen in der Spielgruppe
Sozialverhalten, sich selbst zu vertrauen und den Kontakt mit
Anderen zu suchen.
Kinder sind von Natur aus neugierig und
erfahrungshungrig. Dabei lernen sie schnell und speichern
Eindrücke als komplexe Muster im Gedächtnis. Beim Anfassen,
Riechen, Fühlen, Hören, Sehen, Balancieren, Rangeln, Schubsen
und Klettern erfahren sie ihre Umwelt und ihren Körper. Im Spiel
mit Anderen lernen sie, sich in verschiedene Rollen zu begeben,
Regeln und Fairplay zu akzeptieren, Konflikte auszutragen,
Toleranz und Rücksicht zu üben, Absprachen zu treffen und sich
dann auch daran zu halten. Das alles läuft unbewusst ab und
schult die Persönlichkeit für die Herausforderungen des
Erwachsenwerdens
Dabei haben Kinder meist ein gutes Gespür
dafür, wie viel sie sich tatsächlich zutrauen können. Sich
selbst und Situationen richtig einschätzen zu können ist ebenso
wichtig, wie zu erkennen, wo die eigenen Grenzen liegen. Richtig
ausgelastet fällt dann auch das Stillsitzen in der Schule
leichter und die Konzentration hält länger vor. Hausaufgaben
machen oder Lernen ist nicht mehr so anstrengend, weil
Aggressionen und überschüssige Energie in der Bewegung abgebaut
werden.
Aktivität für jeden Tag
Freude und
Lust stehen für die Kinder und Jugendlichen als Motivation an
erster Stelle. Wer keine Lust hat, Tennis zu spielen, wird
irgendwann frustriert den Schläger in die Ecke stellen. Auf
Interessen und Neigungen sollte gerade bei Kindern Rücksicht
genommen werden.
Heranwachsende brauchen mehr Bewegung als
Erwachsene. Aber nicht immer ist mit Bewegung gleich ein
Sportkurs gemeint. Häufig reicht es vor allem für die Kleinen
aus, einfach nur genügend Spiel-Raum zu haben, am besten unter
freiem Himmel. Kontakte zu Gleichaltrigen knüpfen sie bald
selbst. Enge und stressige Terminpläne für Kinder sind völlig
überflüssig.
Die Jahre bis zur Pubertät sind entscheidend,
hier werden wichtige Grundsteine für die gesunde körperliche,
psychisch-emotionale und soziale Entwicklung gelegt. Mindestens
2-3 Stunden sollten Kindern täglich in Bewegung sein. Schwitzen
ist erlaubt. Die Organe brauchen die Belastung, um
leistungsfähig zu werden. Eine gesunde, ausgewogene und vor
allem abwechslungsreiche Ernährung
füllt die Energietanks dann wieder auf.
Bis zum achten
Lebensjahr steht die Vielseitigkeit der Bewegung im Vordergrund.
Elementare koordinative und motorische Fähigkeiten werden
ausgebildet und gefestigt. Das fängt damit an, den Schulweg wenn
möglich zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückzulegen. 20-25 Minuten
Gehzeit sind völlig in Ordnung. Nach der Schule mit Freunden
Inline skaten, Fußball spielen oder regelmäßig ins Schwimmbad
gehen ist besser, als vor dem Fernseher oder dem Computer zu
sitzen.
Ab dem achten Lebensjahr ist es sinnvoll, die
sportlichen Neigungen und Interessen der Kinder aufzugreifen.
Dabei ist es wichtig, darauf zu achten, was dem Kind am meisten
Spaß macht. Die Bereitschaft zur Aktivität und der Spaß an der
Bewegung sollten von den Eltern, Lehrern und Bezugpersonen
unterstützt und aufgegriffen werden. Ein Kind, das auf Ski
gestellt wird und vorher kaum Erfahrungen mit Balance sammeln
konnte, wird schnell aufgeben. Um für den Einzelnen das Richtige
zu finden, haben Turn- und Sportvereine ein vielseitiges Angebot
an unterschiedlichen Sportarten, auch für die Kleinsten.